Essen / Herne [egv] „Von grau zu blau – Die Klanglandschaft der Emscher“: Sounddesigner dokumentiert Töne entlang der renaturierten Flüsse

In Kooperation mit dem Soundkünstler Nils Mosh widmet sich die Emschergenossenschaft der Klanglandschaft entlang der Emscher und macht über Tonaufnahmen die Artenvielfalt an dem Gewässer hörbar. Siebenundfünfzig akustische Aufnahmen hat der Sounddesigner im Auftrag der Emschergenossenschaft entlang des zentralen Flusses des Ruhrgebietes aufgenommen und daraus eine Collage entwickelt, die die Klanglandschaft der Emscher und ihrer Nebenläufe dokumentiert.

Mit der Abwasserfreiheit, die Ende 2021 erreicht wird, wird das Emscher-Flusssystem zukünftig nur noch Quell-, Regen- und Grundwasser sowie gereinigtes Abwasser aus den modernen Kläranlagen führen. Idealer Lebensraum also für Pflanzen und Tiere, die an und in die Gewässer der Emscher zurückkehren. Der Fluss und die Bäche werden nach der ökologischen Verbesserung im Rahmen des Emscher-Umbaus bzw. der Biodiversitätsinitiative von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) nicht nur anders aussehen, sondern auch anders klingen – denn: Die Geräuschkulisse ändert sich mit der größer werdenden Artenvielfalt, die bereits jetzt an der Emscher und ihren Nebenläufen zu verzeichnen ist.

„Mit diesem Projekt knüpfen wir als Emschergenossenschaft unter anderem an die zunehmend an Bedeutung gewinnende Klangökologie an, die mit Hilfe von Tonaufnahmen die Biodiversität von Naturräumen erforscht“, sagt Gunnar Jacobs, bei der Emschergenossenschaft zuständig als Artenschutz- und Landschaftsexperte. Weltweit werden von Wissenschaftlern akustische Daten gesammelt und ausgewertet, um den Zustand der Ökosysteme und deren Artenvielfalt zu erfassen.
Welches akustische Klangerlebnis die bereits ökologisch verbesserte Emscher bietet und wie das „alte“ schmutzwasserverseuchte Gewässer im Vergleich dazu klingt, hat die Emschergenossenschaft nun in Zusammenarbeit mit dem renommierten Sounddesigner Nils Mosh untersucht. Das Ergebnis ist nicht nur schön anzuhören, sondern erlaubt auch Rückschlüsse auf die ehemalige technisch geprägte Nutzung sowie die neu entstehende Biodiversität entlang des bald abwasserfreien Flusses.

Von der Quelle bis zur Mündung
Mit Mikrofonen und Rekordern ausgerüstet hat sich der international arbeitende Künstler, der sich in seinen Aufnahmen mit der Geräuschkulisse in Städten und in der Natur auseinandersetzt, auf den Weg gemacht und den Emscher-Klängen von der Quelle in Holzwickede bis zum Zufluss in den Rhein gelauscht. Entstanden sind zwei Soundcollagen mit Unterwasseraufnahmen, die eindrucksvoll den Mehrwert des Emscher-Umbaus vermitteln: „Während die Klänge des Schmutzwasserlaufs eher eintönig und dunkel sind und von brummenden Maschinengeräuschen überlagert werden, hören wir in den bereits renaturierten Abschnitten ein buntes Plätschern und Blubbern, das auf einen lebendigen Fluss mit Pflanzen, Fischen und Insekten hinweist“, sagt Nils Mosh.

Auch im Umfeld entlang der Ufer sind neue Töne auszumachen: Die grüne Emscher lockt Vögel an, deren Gesänge und Zwitscherlaute sich zu wunderbaren Klangcollagen vermischen. Wenn man genau hinhört, nimmt man das Trällern des Eisvogels, das Rufen der Singdrossel und einigen weiteren Vogelarten wahr. Aber nicht nur Vögel sind zu hören. Auch Bienen summen vorbei, und Frösche stimmen in das Abendkonzert ein. Die neuen Ufer des Flusses ziehen ebenfalls Menschen an, die ihre Freizeit an der Emscher verbringen, die Landschaft per Rad erkunden oder spazieren gehen. Einen ganz besonderen Klang erzeugen auch die Scottish Blackface-Schafe am Emscher-Quellhof – eine unbedingte Lauschempfehlung!

Die Sounddateien zur Emscher sind kostenlos auf Youtube unter dem folgenden Link abrufbar: https://youtu.be/QNll4Ps8sJU.

Die Emschergenossenschaft wünscht viel Freude beim Klangerlebnis.

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