Essen / Herne [eglv] Ab Ende des Jahres fließt durch den Hüller Bach nur noch sauberes Wasser – Die Abwasserfreiheit der Emscher rückt in greifbare Nähe: Ende August – nach der Inbetriebnahme des Pumpwerks Oberhausen und des gesamten Abwasserkanals Emscher (AKE) – nimmt die Emschergenossenschaft einen weiteren Abschnitt des unterirdischen Sammlers entlang des Hüller Bachs, dem größten Nebenfluss der Emscher, in Betrieb. Zusammen mit der Emscher soll auch der Hüller Bach ab Ende dieses Jahres gänzlich vom Schmutzwasser befreit sein.
Das Teilstück des Abwasserkanals entlang des Hüller Bachs, welches als nächstes in Betrieb genommen wird, ist 2.600 Meter lang und verläuft zwischen der Florastraße in Gelsenkirchen und der Gustavstraße in Herne. Durch den ersten Abschnitt vom Abwasserkanal Emscher bis zur Florastraße fließt bereits seit Oktober 2020 Schmutzwasser. Mit der Einleitung des Abwassers in den nächsten Teilabschnitt nähert sich die Emschergenossenschaft dem großen Ziel, den Bachlauf in diesem Jahr vom Schmutzwasser zu befreien.
Der Hüller Bach ist der größte Nebenlauf der Emscher. In den Bach gelangte in den vergangenen Jahrzehnten (!) Abwasser aus Teilen von Bochum, Herne und Gelsenkirchen, in denen zirka 290.000 Menschen leben. Mit den ersten Kanalbauarbeiten wurde bereits im Jahr 1999 begonnen. Bis 2022 wird die abwassertechnische Maßnahme am Hüller Bach abgeschlossen sein, wobei die Abwasserfreiheit des Bachs schon Ende dieses Jahres erreicht wird. 2022 erfolgen Restarbeiten wie zum Beispiel die Wiederherstellung von Oberflächen und Straßen. Insgesamt werden im Rahmen der Baumaßnahme 8.800 m Kanalrohre verlegt. Hinzu kommen noch mehrere tausend Meter Regenwasserkanäle und seitliche Anschlussrohre. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 130 Millionen Euro. Der gesamte Abwasserkanal wurde im bergmännischen Vortrieb erstellt.

Eine Besonderheit der abwassertechnischen Maßnahme am Hüller Bach ist zudem die doppelstöckige Regenwasserbehandlungsanlage an der Grimbergstraße südlich der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Diese Anlage ist absolut einzigartig im Rahmen des gesamten Emscher-Umbaus! Sie beinhaltet zusätzlich ein Schmutzwasserpumpwerk und zwei Abschlagspumpwerke, die ebenfalls übereinander liegen. Aus Tiefen von bis zu 24 Metern können insgesamt 10.500 Liter Wasser – das sind knapp 60 Badewannenfüllungen – pro Sekunde (!) gepumpt werden! Die Anlage an der Grimbergstraße erfüllt so nicht nur die Aufgabe der Regenwasserbehandlung, sondern ersetzt auch die bereits vorhandenen Pumpwerke Herne-Unser Fritz und Gelsenkirchen-Kleine Emscher. Letzteres bleibt jedoch erhalten und wird zukünftig nur noch Reinwasser fördern.

Regenwasserbehandlungsanlage
Eine Regenwasserbehandlungsanlage dient der Trennung von sauberem Regenwasser und schmutzigem Abwasser. In einem Stauraumkanal oder Regenüberlaufbecken wird bei starken Niederschlägen das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal und anschließend zur Kläranlage transportiert werden.
Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Mit Hilfe der Regenwasserbehandlungsanlagen erhalten die Gewässer also weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden. Das ist nicht nur ökologisch äußerst sinnvoll, sondern auch ökonomisch – denn die Abwasserkanäle müssen nicht durchgängig übergroß dimensioniert werden, was die Baukosten erheblich senkt! Zudem gehört sauberes Regenwasser ins Gewässer und nicht in die Kläranlage, wo es unnötigerweise noch einmal für viel Geld gereinigt würde.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft in enger Abstimmung mit den Emscher-Kommunen das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,5 Mrd. EUR investiert werden.

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